Vita: Iranischer Staatsbürger, 41 Jahre alt, seit
1988 verheiratet mit einer Christin,
Studium in
England, zweites Studium an der Fachhochschule in Fulda,
Beruf: Informatiker
Der berufliche Werdegang zeigt bis dahin eine klassische Karriere ohne erkennbare politische Ambitionen.
Was hat nun einen eigentlich unpolitischen Menschen bewogen, politisch aktiv zu werden?
Schon an der FH in Fulda hatten Sie durch den AstA Kontakte zur ausländischen Gemeinde. Dann aber gab es ein Schlüsselerlebnis für Sie. Das war der Neo-Nazi-Aufmarsch in Fulda. Jetzt setzte der Wille ein, sich nicht nur zu beschweren, sondern aktiv gegen diese neu-braune Bewegung aktiv vorzugehen. Dies war die Geburtsstunde von UNO - eine Welt. Sie gehörten wie auch Roland Schopf, der heutige Präsident der Fuldaer FH, oder Peter Krahulec zu den Gründern. Aber jetzt entstand die Notwendigkeit, die Botschaft, wir sind alle Menschen dieser einen Welt, in die Öffentlichkeit zu tragen. So kandidierten Sie auf der Liste UNO für den Ausländerbeirat. Diesem gehörten Sie 1993 bis 2001, ab 1995 als sein Vorsitzender, für zwei Legislaturperioden an.
Hier nun hatten Sie es mit hartleibigen und wohlwollenden Menschen und Institutionen zu tun. Sie waren unermüdlich das Gelenkstück zwischen inländischen und ausländischen Bürgerinnen und Bürgern dieser Stadt.
Laut statistischem Bericht der Stadt Fulda aus dem Jahr 2000 sind in Fulda 7120 Ausländer aus etwa 100 Nationen gemeldet. Bei einer Gesamtzahl von 62877 Einwohnern sind dies 11,3 %. So ist jeder 9. Einwohner nicht deutscher Abstammung.
Sie, Herr Savoji, sahen Ihre unermüdliche Aufgabe darin, von einem
Nebeneinander zu einem Miteinander aller Fuldaer Einwohner zu kommen. Dieses
Ziel wirft die Frage der Integration als Umsetzung auf. Hier scheiden sich
die Geister:
Für die einen heißt Integration „Unterwerfung unter eine
deutsche Leitkultur“ bei Aufgabe der eigenen nationalen Identität.
Andere schwelgen in irrealem Multi-Kulti. Beides ist in seinem Absolutheitsanspruch
falsch. Die Wahrheit ist komplizierter und fordert von beiden Geben und
Nehmen. Zum Einen ist von allen Seiten Toleranz gegenüber der Religion
und der Lebensweise des jeweils Anderen unabdingbar. Gleichzeitig ist es
Pflicht, die Sprache des neuen Heimatlandes zu erlernen.
Sprache heißt Kommunikation. Fehlt diese sozio-kulturelle Möglichkeit,
scheitert auch die Kommunikation der verschiedenen Nationalitäten
untereinander, scheitert offene Begegnung, scheitert der Abbau von Vorurteilen,
scheitert das angestrebte Miteinander.
Dieser Brückenbau zwischen den Menschen unterschiedlicher ethnischer und religiöser Herkunft ist gerade in dieser Zeit wieder erstarkender Ressentiments nötig zur Erhaltung oder Wiedererlangung sozialen und militärischen Friedens. Absolutheitsansprüche gepaart mit Vorurteilen sind immer die Keimzelle für Fundamentalismus, Fanatismus, Radikalismus und zuletzt Terrorismus.
So steigen wir von Globalphilosophie hinab in die kommunalen Niederungen der Politik der kleinen Schritte. Aufgabe Fuldas muss es sein, diesen Brückenbau durch Kommunikation zu organisieren. Über Kindergärten, Schulen und Jugendtreff müssen Kinder und Jugendliche zur sprachlichen und damit auch sozialen Kompetenz befähigt werden. Aber auch Erwachsene müssen eingebunden werden. Da besonders muslimische Frauen nicht selten ihrer sozialen und sprachlichen Möglichkeiten beraubt werden, sind Mutter-Kind-Sprachkurse ein in anderen Städten erfolgreich erprobtes Vorbild. Unzureichend sind auch unsere schulischen Integrationsangebote. Wenn ein 11-jähriger libanesischer Junge auf Grund seines geschätzten Alters in eine Klasse 5 gesetzt wird, der weder arabisch lesen und schreiben kann, geschweige denn, ein Wort Deutsch beherrscht, ein Deutsch-Angebot von etwa 3 Wochenstunden erhält, ist das vollkommen unzureichend. Seine Mutter „unterschrieb“ die Anmeldung mit Daumenabdruck. Integrationsverlierer sind nach meinen Beobachtungen jugendliche Seiteneinsteiger zwischen 10 und 16 Jahren. Unkritisch dem westlichen Konsum ausgeliefert, streben sie nach McDonald, Nokia und Levi`s. Wegen mangelnder sprachlicher Kompetenz stehen ihnen kaum Ausbildung oder qualifizierter Beruf offen. So werden nicht selten illegale Wege der Konsumbefriedigung beschritten. Eine Gesellschaft, die nun an der Entwicklung sprachlicher und sozialer Kompetenzen spart, provoziert riesige Folgekosten. Auch unter diesem Aspekt erhält die aktuelle Diskussion um eine Schule mit Ganztagsangeboten neues Gewicht. Sprachen erlernen, brachliegende sportliche, musikalische oder auch künstlerische Talente erkennen und fördern, soziale Kontakte verstärken, Konflikte friedlich lösen können oder Herausforderungen kreativ angehen ist nur ein Teil des notwendigen Miteinanders.
Gemeinsam liegt noch ein weiter Weg vor uns, den ich mit einer EURO-Münze
vergleichen möchte:
- auf der einen Seite zeigt jede Nationalität ihre Identität,
- die andere Seite zeigt das selbe Bild.
Die Botschaft: „Menschen in einer Stadt mit der selben Sprache aber
auch mit der Bereitschaft, den Anderen als Anderen zu akzeptieren“.
Sie, Herr Savoji, haben Ihren Beitrag dazu geleistet, dass sich Ausländer und Inländer ein Stück näher gekommen sind.
Die Fuldaer Rose wird verliehen für Persönlichkeiten, die
„gegen den Strom schwimmen“, die Verkrustungen aufbrechen.
Sie sind ein gutes Beispiel und Vorbild, das Nebeneinander zu einem
Miteinander von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Glaubens zu entwickeln.
Die Fuldaer SPD dankt Ihnen mit
der Verleihung der nunmehr 11. Fuldaer Rose.