SPD FULDA
SPD STADTVERBAND FULDA

Rede:

10. März 2014
Rede zum Weltfrauentag

"Brauchen wir also noch einen internationalen Frauentag?"

Anlässlich des Weltfrauentages hatte Birgit Kömpel zum Frauenfrühstück ins Bürgerhaus Löschenrod eingeladen. Die Resonanz war prima, der Saal des Gemeinschaftshauses gut gefüllt mit interessierten Frauen aus der Region. Diese wollten natürlich erfahren, was die neue Bundestagsabgeordnete ihnen zu sagen hat.

Nachfolgend die Rede von Birgit Kömpel im Wortlaut:

Liebe Gäste,

zunächst ein historischer Abriss. Seit 1911 gibt es den Frauentag, seit 1919 haben Frauen Wahlrecht. Im Jahr 1949 wurde die Gleichberechtigung von Frauen und Männer in der Verfassung festgeschrieben. Die Römischen Verträge (Gründung europäische Wirtschaftsgemeinschaft) bestimmten 1958 die gleiche Bezahlung von Männern und Frauen.

Bis 1976 durfte eine Frau nur dann berufstätig sein, wenn sie ihre familiären Pflichten nicht vernachlässigte. Der Ehemann musste einen entsprechenden Passus im Arbeitsvertrag unterschreiben! Diese Vorschrift galt noch bis 1976!!! Seit 1980 können auch Männer Erziehungsurlaub beantragen.

Und wo stehen wir heute?

Frauen sind Abgeordnete, Ministerinnen und wir haben sogar eine Bundeskanzlerin. Auch in sämtlichen gesellschaftlichen Bereichen sind wir aktiv, sichtbar und engagiert. Wir haben inzwischen Fuß gefasst in verschiedenen „Männerberufen“ und seit dem Jahr 2000 dienen wir auch gleichberechtigt unserem Land als Soldatinnen.

Also alles bestens? Alles erreicht? Mission Gleichberechtigung erfüllt?

Auch im Jahr 2014 verdienen Frauen im Schnitt 22% weniger als ihre männlichen Kollegen. Und bei exakt gleicher Qualifikation, Alter und gleicher Arbeit gibt es immer noch einen Gehaltsunterschied von 12 Prozent. 70% der Niedriglohnjobs werden von Frauen ausgeübt. Frauen sind – besonders in der Führungsebene – wenig zu finden. Laut einem FAZ Bericht vom Januar ist der Frauenanteil in den Vorständen sogar gesunken. Auf 6,3%! Erfreulich ist allerdings, dass der Anteil der Frauen in den Aufsichtsräten von 12,9% auf 15,1% gestiegen ist.

ABER … Aufsichtsräte werden auch durch die Arbeitnehmergremien besetzt – sprich Gewerkschaften. Im Klartext: Es sind lediglich die Gewerkschaften, die ihre starken Frauen in den Aufsichtsrat schicken
Für mich ein handfester Skandal! Es studieren mehr Frauen als Männer und wir schließen oft unser Studium erfolgreicher ab Frauen promovieren, Frauen forschen und Frauen streben nach Karriere

Ich gebe zu, die gesetzliche Frauenquote ist umstritten. Junge Mädchen wollen meistens davon nichts hören. Warum ist das so? Viele junge Mädchen lernen die Realität erst später kennen. Noch nicht in der Schule, auch nicht im Studium. Dann kommen die ersten Schritte im Beruf – und schon zeigt sich die Realität in der Arbeitswelt der Frauen.

Ich habe vor der Geburt unserer Kinder bereits in Führungspositionen gearbeitet. Aber ich kann Ihnen sagen – nie habe ich so viel Verantwortung und logistische Herausforderungen gehabt wie in der Zeit, als unsere Kinder noch klein waren. Es ist eine Riesenverantwortung, die mir manchmal auch Angst gemacht hat. Ich konnte diese Verantwortung mit meinem Mann teilen – und ziehe jeden Hut vor alleinerziehenden Frauen und Männern!
Deshalb, wer solch große Verantwortung übernimmt, bringt neben der beruflichen Qualifikation auch eine Menge Sozialkompetenz mit, die in unseren Führungsebenen deutlich fehlt.

Wir wollen keine Quote einführen – sondern die Männerquote von 80 – 90% in den Führungsetagen abschaffen! Dabei wollen wir die Männer nicht aus den Führungsetagen verdrängen – gute Männer schaffen es auch an die Spitze trotz einer Frauenquote! Vielleicht ist die junge Generation auch schon weiter und wir haben es nicht gemerkt???

Wir brauchen neben einer starken Frauenpolitik auch eine geänderte Familienpolitik. Die Einführung des Elterngelds ist ein erster Schritt – inzwischen machen 30% der Väter Erziehungsurlaub. Viele Väter wünschen sich mehr Zeit für ihre Kinder und viele Frauen möchten unabhängig bleiben. Wir brauchen eine familienorientierte Wirtschaft und Arbeitgeberwelt. Andere europäische Länder machen es uns vor – und es funktioniert. Auch Frauen, dich sich nicht für eine akademische Laufbahn entscheiden, sollen die Wahl haben und sich nicht zwischen Beruf und Familie entscheiden müssen. Wir müssen über Heimarbeitsplätze sprechen. Die Technologie macht es möglich. Wir müssen weiterhin gute Betreuungsangebote schaffen.

Brauchen wir also noch einen internationalen Frauentag?

Ja, weil jede dritte Frau von Gewalt betroffen ist.
Ja, weil wir immer noch 22 % weniger Gehalt bekommen als unsere männlichen Kollegen.
Ja, weil wir mit Stolz und durch sozialdemokratische Politik bereits einen weiten Weg gegangen sind.
Ja, weil wir auch die Chance haben wollen, Familie mit unserem Beruf zu vereinbaren und
ja, weil wir unseren Männern die Chance geben möchten, am Familienleben aktiv teilzunehmen
Also Männer, auf geht’s und Frauen, ran ans Werk!

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